Kati hier, Kati da, Kati ist in Kanada

New York, New York

Ein braunes Klebeband bedeckt die Öffnung des Mülleimers, an dessen Fuße sich bereits ein Berg an Flaschen, Verpackung und anderen Dreck gesammelt hat. Ein Schild warnt vor Ratten, ein anderes bittet darum, die Reste doch bitte irgendwo anders zu entsorgen. Es ist Anfang Juli in Toronto und die Müllabfuhr streikt für eine Lohnerhöhung. So wie jedes Jahr. Öffentliche Parks werden zu Müllablagen umfunktioniert, überall in der Stadt stapelt sich der Unrat und Privatunternehmer verdienen sich eine goldene Nase, indem sie Abfall in den Häuser einsammeln und - gegen nen gehörigen Aufpreis natürlich - in die nächste Stadt transportieren. Der Streik betrifft nicht nur den Entsorgungsbereich, wobei dieser mit Abstand die größten Scherereien macht. Vor Büchereien und anderen öffentlichen Gebäuden wird gegen zu niedrigen Lohn protestiert, die Fähren fahren nicht zu der kleinen, berühmten Touristeninsel und die Eventleute weigern sich dass Feuerwerk zu den Canadadayfeierlichkeiten zu zünden. Enttäuscht mach ich mich also wieder auf den Weg und reise am nächsten Tag weiter, in der Hoffnung, bei meiner Rückkehr nach Toronto eine müllfreie Stadt vorzufinden. Mein Feuerwerk bekomme ich ein paar Tage später dann zum Glück aber doch noch: in New York wird der Independence Day gebührend gefeiert und so säumen sich am Kanal insgesamt acht Feuerwerksstationen, die synchron 20 Minuten lang die gleichen Raketen abschießen und bunte Lichteffekte an den Himmel zaubern. Die lassen sich von unserem Schauplatz auch besonders gut genießen, sind ich und meine New Yorker Hosts doch extra auf eines der Hochhäuser geklettert um das ganze Spektakel zu bestaunen. Auch sonst bietet New York eine Menge. Die Stadt der Städte ist einfach riesig und meine 6 Tage reichen überhaupt nicht aus um alles zu erkunden und zu besichtigen. Zeit zum wundern über die Unfreundlichkeit der Leute bleibt jedoch schon. Mit dem Fahrrad düse ich einmal quer durch Brooklyn und werde gleich nach der zweiten Kreuzung beinahe von einem silbernen Combi zamgefahren. Was für ein Idiot, denke ich mir, der hatte rot! Doch der Fahrer scheint das anders zu sehen. Das Seitenfenster heruntergekurbelt folgt er mir dreist einen geschlagenen Block um mich anzuschreien und zu beschimpfen, bevor er schließlich rechts abbiegt und leine zieht. Von der New Yorker Gelassenheit sehr beeindruckt befällt mich für die nächste halbe Stunde eine Paranoia vor silbernen Kombis, die sich dann aber bei dem schönen Wetter und einem tollen Ausblick am Strand schnell wieder verzieht. In den nächsten Tagen besuche ich dann noch die berühmte Freiheitsstatue und erkunde den riesigen Centralpark, bevor es schließlich auch wieder zurück nach Toronto geht, um die letzten paar Tage Kanada zu genießen. Glück hatte ich übrigens keines. Bei der Einfahrt in die Stadt begrüßen mich aufgetürmte Müllbeutel in den Stadtpärken und immer noch protestierende Beamten, was mich aber wegen baldiger Heimreise schon gar nicht mehr sonderlich stört. Den sehr beeindruckenden Niagarafällen wird noch ein Besuch abgestattet und dann geht’s auch schon in den Flieger zurück nach Deutschland, mit gewachsener Erfahrung, gesteigerten Sprachkenntnissen und mehr als nur einem überquellenden Gepäckstück

1 Kommentar 19.8.09 02:54, kommentieren

Vollgestopft und Abgefüllt

Mit weiß-roten Kanadahüten auf dem Kopf, stehen meine Reisepartnerin Tessa und ich am Straßenrand, den Daumen rausgestreckt und das lustig bemalte Schild hoch über unseren Touristenhüten haltend. Wir haben Glück im Unglück. „Ihr wollt nach Quebec?“ fragt uns der Bmwfahrer und seine Tochter. „Ihr wisst schon dass ihr am falschen Highway steht oder?“ Tessa und ich blicken uns an. Ja wie jetzt? „Hüpft rein, ich fahr euch zum Richtigen“ bietet uns unser Informant an, und dankbar machen wir es uns auf der Rückbank bequem. „Ich bin Kevin und das ist meine Tochter Maggie“ stellt sich unser Retter vor, „wir sind auf dem Weg nach Hause nach Miramichi. Maggie hier, besitzt dort eine Gebrauchtwagenfirma. Jetzt wo ich drüber nachdenke.. wir haben immer noch ein Auto in Woodstock stationiert was unbedingt abgeholt werden müsste. Wenn ihr möchtet können wir euch dort hin bringen.“ Wir können es kaum fassen. Woodstock liegt direkt auf unserer Reiseroute und ist einer der überlegten Stationen für eine Übernachtung. Wir nehmen das Angebot dankend an und kommen mit unseren Fahrern ins Gespräch. Miramichi sei bekannt für seinen geräucherten Lachs, erklärt uns Kevin, hat aber ansonsten nicht viel zu bieten. Maggie nickt mit resignierendem Gesichtsausdruck bestätigend. „Ich liebe geräucherten Lachs“ blubbert Tessa neben mir los. „Weiß gar nicht mehr wie viel ich von dem schon verdrückt habe“  „Hast du denn auch schon mal Hummer gegessen?“ frägt Kevin. Tessa muss verneinen. „Ich weiß, eine Schande, der ist hier ja ziemlich verbreitet.“  Die Meinung vertritt Kevin auch, hat er ein immer gefülltes Hummerbecken im Keller stehen und lädt er uns gleich mal spontan zum Dinner ein.

Eine Stunde später stehen wir dann auch schon im Supermarkt. Wenn schon, denn schon, scheint Kevins Motto zu heißen und so wird der Einkaufswagen ebenfalls mit einem großen dicken Lachs (hat dieser immerhin das ganze gestartet), mit Muscheln, Scallops, und Backfisch gefüllt. Auch an Spirituosen darf es den Gästen an nichts fehlen, und so lässt sich Kevin nicht beirren sondern kauft uns gleich 5 verschiedene Weinsorten, von denen manche übersetzt so exotische Namen wie „Nackte Traube“, „Fetter Bastard“ und, mein persönlicher Favorit, „Katzenpisse an einem Buschbaum“ tragen. Vollgefressen mit Seafood jeglicher Art, müssen wir alle nach der Hummerpasta die Gabel aufs Tuch werfen, den fertig geräucherten Lachs ironischer weise verschmähend. Den Rest des Abends verbringen wir mit Kevins Spielzeugen, zwei Dünenjägern und einem Strandbuggy, bevor wir immer noch satt und umso glücklicher in unsere frischbezogenen Betten fallen (auch so eine Seltenheit für uns Couchsurfer). Am nächsten Tag werden wir planmäßig am Highway abgesetzt und werden von unserem neuen Fahrer auf ein Bier eingeladen und dann sogar zur Türe unserer nächsten Host gebracht, bei der wir 4 lustige Tage verbringen. Die Stadt ist quirlig. Süße enge Gassen und schnucklig in Hinterhöfen versteckte Bars und Cafes erinnern uns sehr ans original Frankreich und bei den sehr weinlastigen Picknicken auf Roxannes Dach fühlen wir uns immer mehr wie im Urlaub. Oh wie schön ist Kanada, kann ich da nur sagen

 

Und weil so viel passiert ist und ich mittlerweile eh so selten schreibe gibt’s hier jetzt auch gleich noch nen zweiten eintrag:

 

 

Die Polizei, dein Freund und Helfer

 

11 Monate sind eine lange Zeit, in der schon mal viel passieren kann. Zum Großteil nur gute Erfahrungen, doch auch lassen sich schlechte Geschehnisse leider nicht vermeiden. Und was wäre so ein Auslandsaufenthalt denn auch schon ohne Krankenwagennotruf (das Vergnügen hatte ich schon gleich am Anfang als es Maxi im Feld zamgebröselt hat) und Polizeibesuch.. (was mir in meiner Reisebilanz ja noch fehlte, haha..)

 Ich verbringe meine Zeit gerade in Montreal, einer schönen Stadt in der Provinz Quebec, welche, genau wie die  Hauptstadt, einen gewissen europäischen Charme besitzt. Ich besuche hier Jason, den frankophonen Kanadier, den ich damals beim Apfelpflücken kennengelernt habe und schlafe vorübergehend in seinem Apartment, welches er zusammen mit seiner Freundin Valerie bewohnt. Wir verbringen viel Zeit miteinander und chillen am Strand, gehen shoppen, schauen Filme, oder besuchen eine Freibierparty die Jason’s Cousine bei einer Radioshow gewonnen hat. Die beiden sind ein süßes Pärchen und ich fühle mich hier trotz Verständigungsprobleme (gnaaa französisch überall!!) sehr willkommen und heimisch, was auch daran liegt, dass Jason und Valerie zwei so nette Menschen mit guten Absichten sind. Dachte ich zumindest.

Der Tag beginnt eigentlich ganz harmlos: Val und ich beschliessen die Outletstores nach Schnäppchen zu durchleuchten während Jason sich auf den Weg zur Arbeit macht. Die beiden wollen heute Abend noch ihr 5-monatiges Zusammensein bei einem netten Dinner feiern und Valerie  wartet bereits ungeduldig auf den vereinbarten Anruf, um Restaurant und Zeit auszumachen. Sie wartet  vergeblich. Unbeantwortete Anrufe, Umleitungen zur Voicemail und immer größer werdende Sorgen bestimmen den Heimweg zum Apartment, wo, als letzter Hoffnungsschimmer, Jason ja vielleicht bereits angekommen ist. Fehlanzeige. Als auch sein Bruder sich anfängt Sorgen zu machen, beschließt Valerie das ganze aktiv in die Hand bzw. ins Steuer zu nehmen und sie fängt an letzte Aufenthaltsorte und Krankenhäuser abzuklappern. Ich halte währenddessen Stellung in der Wohnung, im Falle jemand kommt mit Nachrichten vorbei oder Jason zurück. Es kam auch jemand, jedoch nicht so wie ich es mir gedacht hatte: gerade als ich aus der Balkontür schaue, fällt mein Blick auf einen blondhaarigen Kerl, an der anderen Seite des Parkplatzes lehnend, das Gesicht in meine Richtung gewandt. In der gleichen Sekunde in der ich an die Tür trete, springt er auf, sprintet quer über den Parkplatz und rast die Treppen hinauf geradezu auf unsere Balkontür steuernd. Ich schmeiß die Tür zu, zerr die Gardine davor und werde erstmal ein bisschen hysterisch. Aus irgendeinen irrationalen Grund bilde ich mir ein, die örtliche Polizei würde mich wegen Mangel an französisch Kenntnissen eh nicht verstehen und so verharre ich die nächste Stunde hinter einem Schrank gekauert, Balkon- sowie Haustür im Blick, Handy in der einen, Küchenmesser in der anderen Hand. Das war keine schöne Stunde kann ich euch versichern

Erleichtert, dass Valerie wieder zurückgekehrt, hab ich dann auch gleich den nächsten Schocker zu verdauen: Jason hockt im Knast. Mit einer ausgearteten Schlägerei im Verdacht, lenken wir beide uns mit einem Film ab, bis es, gegen halb 2 in der Nacht, plötzlich an der Türe klopft. Wer ist das? Entschlossen bewaffne ich mich wieder mit Handy und Messer(man weiß ja nie), Valerie lugte vorsichtig durch den Spion. Diesmal bekommen wir amtlichen Besuch: 6 Polizeibeamten inklusive Durchsuchungsbefehl. Von einem wird Val gleich zu einer Befragung weggeführt, ich beobachte währenddessen wie das Apartment auseinandergenommen wird. Die wie beiläufig an mich gerichteten Fragen geben mir immerhin einen groben Überriss der Geschehnisse (die Polizisten verstehen mich übrigens hervorragend) und mit gemischten Gefühlen muss ich mit ansehen wie mein Laptop in seine Einzelteile zerlegt, die Festplatte durchleuchtet, und das Ganze anschließend wieder zusammengesetzt wird. Nach zwei Stunden Durchsuchung bin ich mit einer in Tränen aufgelöste Valerie wieder alleine in der Wohnung - geringfügig schlauer als davor. Für Val hatte die Befragung natürlich deutlich mehr Aufschluss gegeben. Jason sei ein mieser Lügner, meint sie traurig, wusstest du dass er 30 ist und nicht 24 wie immer behauptet? Über was hat er noch gelogen? Und arbeitet er überhaupt wirklich als Dachdecker?

 Die Fragen bleiben zumindest für mich ungeklärt, habe ich Montreal gestern Abend den Rücken gekehrt und statte ich nun in meinen letzten zwei Wochen Toronto und New York einen Besuch ab. Ein gewisses mulmiges Gefühl reist jedoch weiterhin mit. Wem können wir wirklich trauen und ist die Person vor mir, wirklich die Person, die sie zu sein scheint?

2 Kommentare 1.7.09 19:52, kommentieren

Auf zu den Franzosen!

 

„Guck hier, ich hab’s gefunden!“

Mit 4 anderen Köpfen um ein kleines Gerät gedrängt blicken wir auf, um unseren fünften Kameraden begeistert an einer kleinen Steinmauer gekauert zu sehen. Die unscheinbare, kleine, grüne Box lässt sich leicht herausziehen und beinhaltet allerlei unnützen Schnickschnack, den wir nun gegen unseren eigenen, mitgebrachten, nutzlosen Kram eintauschen können. Typisch für geocaching. Jen und ich haben die alte Klasse ihres Sohnes auf einem Wanderausflug begleitet und mit den lärmenden, aufgeregten Kindern um mich herum, fühle ich mich wie in die 7. Jahrgangsstufe zurückversetzt. Von der Begeisterung an einer Schatzsuche mit GPS-System lasse ich mich gerne mitreißen, sind andere sommerliche Aktivitäten hier drüben eher enttäuschend.

Das Sommerzeit gleichbedeutend mit Grillzeit ist, ist wohl ein weltweit geltendes Gesetz und so sehe ich mich in freudiger Erwartung meines ersten BBQ’s dieses Jahres. Wer nun an saftige Steaks, tolle Salate und leckere Bratwürste denkt, würde genauso bitterlich enttäuscht werden wie ich. Es war schon eine ernüchternde Erfahrung, als ich realisieren musste, dass der Begriff Grillfeier bei meinen kanadischen Freunden eine etwas andere Bedeutung hat, als daheim in Deutschland. Nach nichts schmeckende, abgepackte Burgerpaddies werden auf den Rost geschmissen, mit labrigen Burgersemmeln kombiniert und anschließend mit Ketchup, Senf und einer Scheibe Käse dekoriert. Ich fühle mich betrogen.

Um weiteren Grillfeiern zu entfliehen , mache ich mich während meinen letzten Wochen im schönen Halifax vermehrt zu Roadtrips auf, um noch ein bisschen mehr von der Landschaft Nova Scotia’s zu sehen. Weite Felder, kleine Städtchen und Campingplätze, welche sich mitten in einem dichten, grünwogenden Wäldermeer verstecken, gehören genauso zur Provinz wie tiefe Seen, feine weiße Sandstrände und azurblaues/türkises Wasser, welches eher an die Karibik als an Kanada erinnert. Mein Eindruck dieser Gegend ist mehr als positiv und mit gemischten Gefühlen schaue ich meiner Weiterreise am Donnerstag entgegen. Ich werde die Familie und die regelmäßig abgehaltenen Lacrossespiele ihres Sohnes vermissen, und die vielen  Kaufräusche in den zahlreichen Second Hand Läden bereuen, wenn ich dann mit meinem vollgestopften Rucksack wieder an der Straße stehe. Weiter geht's!

1 Kommentar 10.6.09 21:39, kommentieren

Ein Hoch auf unsren Busfahrer

Auf zwei Sitzen zusammengeknautscht, strecke ich mich gähnend nach meinem Wecker, der sich zu laut piepend bemerkbar macht. Ein schläfriger Blick zeigt 4 Uhr morgens: Zeit umzusteigen. Mit Sack und Pack beladen, stolpere ich durch die Reihen zum Ausgang und blinzel ins grelle Licht der Busstationsbeleuchtung. „Du willst doch nach Halifax, oder?“ fragt mich mein Busfahrer. „Du kannst sitzen bleiben“ Wie gütig. Zu müde um mich über die schlechte Organisation und Ticketinformation zu beschweren klettere ich wieder in den Bus zurück, stolpere durch die Reihen und lasse mich in meinen alten Sitz fallen. Ich bin erst 8 Stunden unterwegs und langweile mich bereits jetzt schon zu Tode. Mein Buch habe ich innerhalb der ersten 5 ausgelesen, die Laptopbatterie reicht nur noch für eine dreiviertel Stunde und schlafen kann man wegen Unbequemheit auch nicht.  ööööde! Ich verbringe die restliche Zeit meiner 23 Stunden und 15 Minuten Busreise mit schnödem Nichtstun und bedauere die Tatsache, vor drei Tagen wegen Unterproduktion (7 Kiddies in 16 Tagen) gefeuert worden zu sein. Nichts ist mit kostenlosen Hotelzimmern und gemieteter Autotour an die Küste. Da Ottawa jedoch nicht viel zu bieten hat trete ich die Reise nun halt alleine an und werde an meinem Ankunftsziel von Couchsurferin Jen abgeholt. Die Begrüßung ist herzlich und die nächsten Tage sind mit Stadtführungen und Küstenwanderungen ausgefüllt. Mir gefällt es hier sehr. Ihre zwei Kinder sind nett, der Hund leidet unter einem niedlich ausgeprägten Futterneid und die zwei Katzen toben ihren Jagdinstinkt an meinem unschuldig daliegenden Headset aus. Der eine feste Freund den ich kenne zeigt sich lustig und redelaunig. Ja richtig gelesen. Meine Host ist diesmal etwas speziell. Mit 48 hält die gute Frau nichts mehr von Monogamie und tobt sich in zwei (35 und 30 Jahre alt) oder kurzzeitig auch mal drei (28!) Liebesbeziehungen aus. Durch schlau angelegte Versicherungsgelder besteht kein Grund zum Arbeiten und die meiste Zeit wird für Freunde, Kinder und Renovierungsarbeiten in ihrem 140 Jahre alten Haus genutzt. Spendabel wie noch keine Host davor werden mir trotz Protest sogar die Ausgaben bei Restaurant- oder Barbesuchen bezahlt und so beteilige ich mich natürlich erst Recht gerne bei allen anfallenden Umbauarbeiten. Zeit hab genügend, die Arbeitssuche entpuppt sich hier nämlich leider schwieriger als erwartet. Ich wohne hier gerade in Kanadas Föching "Waverley", ein 20 Minuten von Halifax entferntes Kaff, welches ohne fahrbaren Untersatz schlichtweg unerreichbar ist. Vor mir waren ausserdem bereits alle Studenten auf der Suche nach Beschäftigung, was die Situation geringfügig erschwert.. Naja macht nichts, Selbstgebackenes hält sich in diesem Haushalt nicht sehr lange und ich vertreib mir die Zeit neben dem Keksebacken mit weiterem Reisepläneschmieden und vor allem auch der lästigen Studiumsfrage. Na Evi, von was kannst du mir erfahrungsgemäß nochmal abraten?

1 Kommentar 17.5.09 05:28, kommentieren

Am seidenen Faden

 

Ein bisschen größer wie daheim unser Badezimmer, ist das neue Zimmer in dem ich einziehe. Die Möbelierung ist spärlich, der Preis sehr niedrig. Mit ein wenig Überredungskunst und vielen Apellen ans Mitgefühl, wird mir das Zimmer nämlich für einen Spottpreis vermietet und ich klopf mir gedanklich selbst auf die Schulter. Die Freude währt allerdings nur kurz, muss ich in den nächsten zwei Nächten leider feststellen, dass ich dieses Zimmer nicht alleine beherberge   5 pyramidisch angeordnete Bisse zieren meinen rechten Handrücken, 8 hab ich am Oberkörper, 3  am Bauch, 4 am Rücken und 7 an den Füßen! Mich ungeduldig kratzend steh ich am Morgen ziemlich schlecht gelaunt vor der Tür meiner Vermieterin, die natürlich zuerst versucht mir und meinem vorherigen Hostelbesuch die Schuld in die Schuhe zu schieben. Nicht mit mir. Nach einer weiteren Diskussion ziehe ich schließlich um: in eine 1 A Bachelorsuite, die ich für genau denselben Preis bekomme. Ungefähr 12 Mal größer als mein vorheriges Zimmer, hab ich nun insgesamt 2 Betten, 3 Schränke, 2 Tische, ein zusätzliches eigenes Badezimmer und eine gut eingerichtete Küche. Na da erscheint einem das Jucken ja gleich mal ein bisschen erträglicher

Auf der Arbeit wird’s mittlerweile dagegen ernst. 2 Wochen Schonfrist (=Trainingszeit) sind nun um und ich muss pro Woche mindestens 5 Kinder verscherbeln, wenn ich diesen Job behalten und die damit verbundenen Möglichkeiten für Roadtrips nutzen möchte. Der nächste geht ausgerechnet nächste Woche nach Halifax, eine Stadt, die ich sowieso noch gerne besuchen würde!! Von Mietauto bis Hotelzimmer wäre alles bereits bezahlt – eine Gelegenheit die ich echt unbedingt am Schopfe packen möchte. Schade also dass ich zur Zeit wieder ein bisschen abkacke und noch nicht ein einziges Kind an den erfreuten Sponsor gebracht habe  Dafür hatte ich aber viele amüsant-verspulte Erlebnisse der etwas anderen Art: Mit religiösen Fragen bombardiert sehe ich mich einem anderen jungen Erwachsenen gegenüber und zu spät bemerke ich in welche konvertierende Richtung das Gespräch geschickt gelenkt wurde. Nach 2 Minuten dämmert mir dann schließlich, dass ICH ja diejenige war die an die Türe des Zeugen Jehovas geklopft hat und so mach ich mich so schnell wie möglich wieder aus dem Staub, um mir von hochnäsigen Bonzen weiterhin die Tür vor der Nase zuschlagen zu lassen.

1 Kommentar 29.4.09 07:01, kommentieren

Von Tür zu Tür

„Nein, nein ich bin nicht interessiert“ höre ich die Frau durch den kleinen Türspalt sagen, bevor die Tür eine Sekunde später schließlich ganz geschlossen wird. Das ist sogar fast schon eine höfliche Abfuhr, denk ich da im Vergleich an andere Zurückweisungen: Asiaten die perfekt Englisch sprechen und so tun als könnten sie kein Wort verstehen, schlecht gelaunte Rentner die einen anschnauzen und dessen Hunde einen fast zerfleischen und genervte Hausfrauen die einem die Tür vor der Nase wieder zuknallen, beschäftigt mit Dinnerzubereitung und eigenen Kindern.

Keine Seltenheit in meinem Job und dennoch bin ich hochgradig in meine Arbeit verliebt. Ich hätte einfach niemals gedacht so viel Spaß haben zu können während ich von Tür zu Tür ziehe und jedesmal dieselbe Masche abspule. Kein Problem damit zu haben fürs eigentlich deprimierende Nein-Hören bezahlt zu werden. Wer jetzt glaubt dass ich Leuten versuche Staubsauger zu verkaufen oder zu den Zeugen Jehovas zu konvertieren der irrt. Wer glaubt dass ich weniger hartnäckig bin als oben genannte irrt allerdings auch. „Ich bin in einer wirklichen guten Mission hier“, erkläre ich der netten Frau von nebenan. „Wir helfen kleinen Kindern in Afrika, Asien, Indien und anderen Dritte Welt Ländern, Essen, sauberes Wasser und eine Ausbildung genießen zu können. Ich verspreche ich möchte sie nicht zum Weinen bringen -  ich weiß die Werbesendungen sind wirklich hart anzuschauen. Dennoch..“

Wieder ein Nein. Ich streiche die Hausnummer durch und tänzel zur nächsten Tür. Neues Haus, neues Glück; und letzteres kann ich nun wirklich langsam gebrauchen. An meiner Überzeugungskraft muss ich noch ein wenig arbeiten, würde ich diesen Job wirklich gerne behalten und nicht bereits nach einer erfolglosen Probewoche wieder gefeuert werden. Das tägliche Training um mir und allen anderen Neuen zu helfen ist jeden Mittag sehr laut und amüsant. 20 junge Leute versammeln sich in einem kleinen Dachgeschoss und tauschen gute Sprüche, Begrüßungen und  Verbesserungsvorschläge aus, bevor es dann zum Motivationsgebrüll, und dann tatsächlich raus auf die Straßen Ottawas geht. Selbst wenn aus dem Job nichts mehr werden sollte, bereue ich den Besuch der kanadischen Hauptstadt sicherlich nicht. Neben kulinarischen Besonderheiten wie „Biberschwänze“ und „Obamakeksen“ kann man hier auch kostenlose Touren durchs Parlament und Filmvorstellungen im Zuge des Genieawards in Kunstgallerien wagen. Vor allem Erstere sind nicht so spektakulär wie sie Klingen: Frittierter Teig in länglicher Form mit Zimt und Zucker oder Schokoladensoße gelten als Spezialität und werden als Biberschwanz an die Touristen verkauft. Obamakekse haben dagegen absolut keine äußerliche Ähnlichkeit zu ihrem Namensgeber. Butterteig in Ahornblattform, in den Nationalfarben Rot und Weiß verziert. Kanadischer gehts für einen Keks wohl nicht mehr. Aber hey! Wenn der amerikanische Präsident beim Staatsbesuch einen kanadischen Keks kauft, muss der natürlich umbenannt werden. Sind wir mal froh dass sie beim Biberschwanz nicht auf die gleiche Idee kamen..

3 Kommentare 15.4.09 05:35, kommentieren

Goodbye Phia- äh California

Misstrauisch blicke ich auf die Anzeigetafel an der Tramstation. 19:35 Uhr, die Nächste Bahn kommt in 9 Minuten. Ich setze mich und sauge die letzten Eindrücke von San Francisco auf wie ein Schwamm, um meine restlichen Minuten in dieser vibrierenden und charmanten Stadt noch so richtig zu genießen. Es ist jetzt 19:42 Uhr und die Ankunft  angezeigt in 2 Minuten. California here I leave. Auf einmal werden aus den zwei Minuten das Wort Einfahren.  Cool, ich bin eh schon ein bisschen spät dran. Mit leisem Geratter und Gequitsche kommt die Tram immer näher,  

Und fährt ohne zu stoppen an mir vorbei!

Die Anzeigetafel wechselt Einfahren in 18 Minuten um. Äh, gehts noch??  19:58 Uhr, Ankunft in 2 Minuten. Um 19:59 Uhr, auf einmal 7 Minuten. Wollen die mich verarschen??!   Ich werd nervös. In 20 Minuten müsste ich eigentlich am Flughafen einchecken. Unmöglich, soll mich diese Tram ja nur zu meiner nächsten Fahrgelegenheit bringen. 20:06 Uhr, die Tram fährt endlich ein. Das Umsteigen in die U-Bahn verläuft problemlos und während der Fahrt denke ich an all die coolen Erlebnisse in San Francisco zurück, wie z.B. das CableCar fahren, das lustige couchsurfingevent im Golden Gate Park mit free BBQ und Pancakes und den Besuch im Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz mit interessanten Touren. Fast zu spät stell ich fest dass ich ausversehen in die falsche U-Bahn gehüpft bin. Shiiiit!!

Gestresst komm ich schließlich am Flughafen an und warte ungeduldig auf den Bus der mich zu meinem Terminal bringen soll, mein Flug geht in etwa einer Stunde. Wenigstens bin ich mit Terminal Nr.1 als erstes an der Reihe – dachte ich. Natürlich fahren wir alle anderen Terminals vor meinem ab und die Zeit verrinnt so schnell wie ein Liter Wasser in trockenen Wüstenboden. Angekommen hetze ich zum Schalter, mein Ticket will mir der Selbst-Eincheck-Computer jedoch nicht geben. Was ist da falsch? „Du fliegst mit einer anderen Airline“ teilt mir der Angestellte nach einem scheinbar ewigen Blick in seinem Computer nüchtern mit. Ohhhrrg! Zeit mich groß über die falsche Angabe meines Reisebüros zu wundern bleibt mir aber nicht, ist meine tatsächliche Airline leider Gottes ausgerechnet am anderen Ende des Terminals. Zeit zu fluchen hab ich wenigstens auch nicht, die Bordingtime ist bereits angebrochen und die Schlange an der Sicherheitskontrolle nicht gerade klein. Ich wage keinen Blick auf die Uhr mehr.

Tja das wars dann wohl! Ich komme am Gate an und kann enttäuscht zugucken wie der Flieger ohne mich davonrollt. Meine Augen werden feucht und meine Unterlippe fängt gefährlich an zu zittern..

Ok stimmt nicht, das ist nur ein sehr verspätetes Ersatz-AprilApril (hab ja leider verplant meiner Mama zu verzapfen dass ich schwanger und pleite unter nem Ahornbaum hocke) Tatsächlich am Gate angekommen schlendere ich in den Flieger und falle geradezu in meinen Sitz. Kanada ich komm zurück und das sogar ohne Wartezeit am Gate! Toll wa?

3 Kommentare 6.4.09 06:47, kommentieren