Kati hier, Kati da, Kati ist in Kanada

Von Tür zu Tür

„Nein, nein ich bin nicht interessiert“ höre ich die Frau durch den kleinen Türspalt sagen, bevor die Tür eine Sekunde später schließlich ganz geschlossen wird. Das ist sogar fast schon eine höfliche Abfuhr, denk ich da im Vergleich an andere Zurückweisungen: Asiaten die perfekt Englisch sprechen und so tun als könnten sie kein Wort verstehen, schlecht gelaunte Rentner die einen anschnauzen und dessen Hunde einen fast zerfleischen und genervte Hausfrauen die einem die Tür vor der Nase wieder zuknallen, beschäftigt mit Dinnerzubereitung und eigenen Kindern.

Keine Seltenheit in meinem Job und dennoch bin ich hochgradig in meine Arbeit verliebt. Ich hätte einfach niemals gedacht so viel Spaß haben zu können während ich von Tür zu Tür ziehe und jedesmal dieselbe Masche abspule. Kein Problem damit zu haben fürs eigentlich deprimierende Nein-Hören bezahlt zu werden. Wer jetzt glaubt dass ich Leuten versuche Staubsauger zu verkaufen oder zu den Zeugen Jehovas zu konvertieren der irrt. Wer glaubt dass ich weniger hartnäckig bin als oben genannte irrt allerdings auch. „Ich bin in einer wirklichen guten Mission hier“, erkläre ich der netten Frau von nebenan. „Wir helfen kleinen Kindern in Afrika, Asien, Indien und anderen Dritte Welt Ländern, Essen, sauberes Wasser und eine Ausbildung genießen zu können. Ich verspreche ich möchte sie nicht zum Weinen bringen -  ich weiß die Werbesendungen sind wirklich hart anzuschauen. Dennoch..“

Wieder ein Nein. Ich streiche die Hausnummer durch und tänzel zur nächsten Tür. Neues Haus, neues Glück; und letzteres kann ich nun wirklich langsam gebrauchen. An meiner Überzeugungskraft muss ich noch ein wenig arbeiten, würde ich diesen Job wirklich gerne behalten und nicht bereits nach einer erfolglosen Probewoche wieder gefeuert werden. Das tägliche Training um mir und allen anderen Neuen zu helfen ist jeden Mittag sehr laut und amüsant. 20 junge Leute versammeln sich in einem kleinen Dachgeschoss und tauschen gute Sprüche, Begrüßungen und  Verbesserungsvorschläge aus, bevor es dann zum Motivationsgebrüll, und dann tatsächlich raus auf die Straßen Ottawas geht. Selbst wenn aus dem Job nichts mehr werden sollte, bereue ich den Besuch der kanadischen Hauptstadt sicherlich nicht. Neben kulinarischen Besonderheiten wie „Biberschwänze“ und „Obamakeksen“ kann man hier auch kostenlose Touren durchs Parlament und Filmvorstellungen im Zuge des Genieawards in Kunstgallerien wagen. Vor allem Erstere sind nicht so spektakulär wie sie Klingen: Frittierter Teig in länglicher Form mit Zimt und Zucker oder Schokoladensoße gelten als Spezialität und werden als Biberschwanz an die Touristen verkauft. Obamakekse haben dagegen absolut keine äußerliche Ähnlichkeit zu ihrem Namensgeber. Butterteig in Ahornblattform, in den Nationalfarben Rot und Weiß verziert. Kanadischer gehts für einen Keks wohl nicht mehr. Aber hey! Wenn der amerikanische Präsident beim Staatsbesuch einen kanadischen Keks kauft, muss der natürlich umbenannt werden. Sind wir mal froh dass sie beim Biberschwanz nicht auf die gleiche Idee kamen..

15.4.09 05:35

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lili (28.4.09 16:32)
is ja cool, du setzt dich für ne gute sache ein und wirst trotzdem bezahlt, des würd mich auch interessieren, ständig andere unfreundliche leute sehn und vielleicht auch mal ein paar nette...

und nen obamakeks musst du mir mitbringen


kati (29.4.09 06:58)
Ich glaub den Keks zerbröselt bevor ich in drei Monaten heimkomme, bin ja nicht mehr all zu lange in Ottawa bring dir dafür was anderes leckeres mit

und du hast Recht, der Job an sich ist schon toll, und das Gefühl eins von den kleinen hilflosen Kindern gerettet zu haben ist die vielen Zurückweisungen auch einfach wert. Ich hab schon überlegt sowas daheim vlt auch zu machen, darf nur 6 Monate nach doesem Job nichts ähnliches für eine andere Organisation übernehmen.
naja ma gucken

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen