Kati hier, Kati da, Kati ist in Kanada

Ein Hoch auf unsren Busfahrer

Auf zwei Sitzen zusammengeknautscht, strecke ich mich gähnend nach meinem Wecker, der sich zu laut piepend bemerkbar macht. Ein schläfriger Blick zeigt 4 Uhr morgens: Zeit umzusteigen. Mit Sack und Pack beladen, stolpere ich durch die Reihen zum Ausgang und blinzel ins grelle Licht der Busstationsbeleuchtung. „Du willst doch nach Halifax, oder?“ fragt mich mein Busfahrer. „Du kannst sitzen bleiben“ Wie gütig. Zu müde um mich über die schlechte Organisation und Ticketinformation zu beschweren klettere ich wieder in den Bus zurück, stolpere durch die Reihen und lasse mich in meinen alten Sitz fallen. Ich bin erst 8 Stunden unterwegs und langweile mich bereits jetzt schon zu Tode. Mein Buch habe ich innerhalb der ersten 5 ausgelesen, die Laptopbatterie reicht nur noch für eine dreiviertel Stunde und schlafen kann man wegen Unbequemheit auch nicht.  ööööde! Ich verbringe die restliche Zeit meiner 23 Stunden und 15 Minuten Busreise mit schnödem Nichtstun und bedauere die Tatsache, vor drei Tagen wegen Unterproduktion (7 Kiddies in 16 Tagen) gefeuert worden zu sein. Nichts ist mit kostenlosen Hotelzimmern und gemieteter Autotour an die Küste. Da Ottawa jedoch nicht viel zu bieten hat trete ich die Reise nun halt alleine an und werde an meinem Ankunftsziel von Couchsurferin Jen abgeholt. Die Begrüßung ist herzlich und die nächsten Tage sind mit Stadtführungen und Küstenwanderungen ausgefüllt. Mir gefällt es hier sehr. Ihre zwei Kinder sind nett, der Hund leidet unter einem niedlich ausgeprägten Futterneid und die zwei Katzen toben ihren Jagdinstinkt an meinem unschuldig daliegenden Headset aus. Der eine feste Freund den ich kenne zeigt sich lustig und redelaunig. Ja richtig gelesen. Meine Host ist diesmal etwas speziell. Mit 48 hält die gute Frau nichts mehr von Monogamie und tobt sich in zwei (35 und 30 Jahre alt) oder kurzzeitig auch mal drei (28!) Liebesbeziehungen aus. Durch schlau angelegte Versicherungsgelder besteht kein Grund zum Arbeiten und die meiste Zeit wird für Freunde, Kinder und Renovierungsarbeiten in ihrem 140 Jahre alten Haus genutzt. Spendabel wie noch keine Host davor werden mir trotz Protest sogar die Ausgaben bei Restaurant- oder Barbesuchen bezahlt und so beteilige ich mich natürlich erst Recht gerne bei allen anfallenden Umbauarbeiten. Zeit hab genügend, die Arbeitssuche entpuppt sich hier nämlich leider schwieriger als erwartet. Ich wohne hier gerade in Kanadas Föching "Waverley", ein 20 Minuten von Halifax entferntes Kaff, welches ohne fahrbaren Untersatz schlichtweg unerreichbar ist. Vor mir waren ausserdem bereits alle Studenten auf der Suche nach Beschäftigung, was die Situation geringfügig erschwert.. Naja macht nichts, Selbstgebackenes hält sich in diesem Haushalt nicht sehr lange und ich vertreib mir die Zeit neben dem Keksebacken mit weiterem Reisepläneschmieden und vor allem auch der lästigen Studiumsfrage. Na Evi, von was kannst du mir erfahrungsgemäß nochmal abraten?

17.5.09 05:28

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