Kati hier, Kati da, Kati ist in Kanada

Vollgestopft und Abgefüllt

Mit weiß-roten Kanadahüten auf dem Kopf, stehen meine Reisepartnerin Tessa und ich am Straßenrand, den Daumen rausgestreckt und das lustig bemalte Schild hoch über unseren Touristenhüten haltend. Wir haben Glück im Unglück. „Ihr wollt nach Quebec?“ fragt uns der Bmwfahrer und seine Tochter. „Ihr wisst schon dass ihr am falschen Highway steht oder?“ Tessa und ich blicken uns an. Ja wie jetzt? „Hüpft rein, ich fahr euch zum Richtigen“ bietet uns unser Informant an, und dankbar machen wir es uns auf der Rückbank bequem. „Ich bin Kevin und das ist meine Tochter Maggie“ stellt sich unser Retter vor, „wir sind auf dem Weg nach Hause nach Miramichi. Maggie hier, besitzt dort eine Gebrauchtwagenfirma. Jetzt wo ich drüber nachdenke.. wir haben immer noch ein Auto in Woodstock stationiert was unbedingt abgeholt werden müsste. Wenn ihr möchtet können wir euch dort hin bringen.“ Wir können es kaum fassen. Woodstock liegt direkt auf unserer Reiseroute und ist einer der überlegten Stationen für eine Übernachtung. Wir nehmen das Angebot dankend an und kommen mit unseren Fahrern ins Gespräch. Miramichi sei bekannt für seinen geräucherten Lachs, erklärt uns Kevin, hat aber ansonsten nicht viel zu bieten. Maggie nickt mit resignierendem Gesichtsausdruck bestätigend. „Ich liebe geräucherten Lachs“ blubbert Tessa neben mir los. „Weiß gar nicht mehr wie viel ich von dem schon verdrückt habe“  „Hast du denn auch schon mal Hummer gegessen?“ frägt Kevin. Tessa muss verneinen. „Ich weiß, eine Schande, der ist hier ja ziemlich verbreitet.“  Die Meinung vertritt Kevin auch, hat er ein immer gefülltes Hummerbecken im Keller stehen und lädt er uns gleich mal spontan zum Dinner ein.

Eine Stunde später stehen wir dann auch schon im Supermarkt. Wenn schon, denn schon, scheint Kevins Motto zu heißen und so wird der Einkaufswagen ebenfalls mit einem großen dicken Lachs (hat dieser immerhin das ganze gestartet), mit Muscheln, Scallops, und Backfisch gefüllt. Auch an Spirituosen darf es den Gästen an nichts fehlen, und so lässt sich Kevin nicht beirren sondern kauft uns gleich 5 verschiedene Weinsorten, von denen manche übersetzt so exotische Namen wie „Nackte Traube“, „Fetter Bastard“ und, mein persönlicher Favorit, „Katzenpisse an einem Buschbaum“ tragen. Vollgefressen mit Seafood jeglicher Art, müssen wir alle nach der Hummerpasta die Gabel aufs Tuch werfen, den fertig geräucherten Lachs ironischer weise verschmähend. Den Rest des Abends verbringen wir mit Kevins Spielzeugen, zwei Dünenjägern und einem Strandbuggy, bevor wir immer noch satt und umso glücklicher in unsere frischbezogenen Betten fallen (auch so eine Seltenheit für uns Couchsurfer). Am nächsten Tag werden wir planmäßig am Highway abgesetzt und werden von unserem neuen Fahrer auf ein Bier eingeladen und dann sogar zur Türe unserer nächsten Host gebracht, bei der wir 4 lustige Tage verbringen. Die Stadt ist quirlig. Süße enge Gassen und schnucklig in Hinterhöfen versteckte Bars und Cafes erinnern uns sehr ans original Frankreich und bei den sehr weinlastigen Picknicken auf Roxannes Dach fühlen wir uns immer mehr wie im Urlaub. Oh wie schön ist Kanada, kann ich da nur sagen

 

Und weil so viel passiert ist und ich mittlerweile eh so selten schreibe gibt’s hier jetzt auch gleich noch nen zweiten eintrag:

 

 

Die Polizei, dein Freund und Helfer

 

11 Monate sind eine lange Zeit, in der schon mal viel passieren kann. Zum Großteil nur gute Erfahrungen, doch auch lassen sich schlechte Geschehnisse leider nicht vermeiden. Und was wäre so ein Auslandsaufenthalt denn auch schon ohne Krankenwagennotruf (das Vergnügen hatte ich schon gleich am Anfang als es Maxi im Feld zamgebröselt hat) und Polizeibesuch.. (was mir in meiner Reisebilanz ja noch fehlte, haha..)

 Ich verbringe meine Zeit gerade in Montreal, einer schönen Stadt in der Provinz Quebec, welche, genau wie die  Hauptstadt, einen gewissen europäischen Charme besitzt. Ich besuche hier Jason, den frankophonen Kanadier, den ich damals beim Apfelpflücken kennengelernt habe und schlafe vorübergehend in seinem Apartment, welches er zusammen mit seiner Freundin Valerie bewohnt. Wir verbringen viel Zeit miteinander und chillen am Strand, gehen shoppen, schauen Filme, oder besuchen eine Freibierparty die Jason’s Cousine bei einer Radioshow gewonnen hat. Die beiden sind ein süßes Pärchen und ich fühle mich hier trotz Verständigungsprobleme (gnaaa französisch überall!!) sehr willkommen und heimisch, was auch daran liegt, dass Jason und Valerie zwei so nette Menschen mit guten Absichten sind. Dachte ich zumindest.

Der Tag beginnt eigentlich ganz harmlos: Val und ich beschliessen die Outletstores nach Schnäppchen zu durchleuchten während Jason sich auf den Weg zur Arbeit macht. Die beiden wollen heute Abend noch ihr 5-monatiges Zusammensein bei einem netten Dinner feiern und Valerie  wartet bereits ungeduldig auf den vereinbarten Anruf, um Restaurant und Zeit auszumachen. Sie wartet  vergeblich. Unbeantwortete Anrufe, Umleitungen zur Voicemail und immer größer werdende Sorgen bestimmen den Heimweg zum Apartment, wo, als letzter Hoffnungsschimmer, Jason ja vielleicht bereits angekommen ist. Fehlanzeige. Als auch sein Bruder sich anfängt Sorgen zu machen, beschließt Valerie das ganze aktiv in die Hand bzw. ins Steuer zu nehmen und sie fängt an letzte Aufenthaltsorte und Krankenhäuser abzuklappern. Ich halte währenddessen Stellung in der Wohnung, im Falle jemand kommt mit Nachrichten vorbei oder Jason zurück. Es kam auch jemand, jedoch nicht so wie ich es mir gedacht hatte: gerade als ich aus der Balkontür schaue, fällt mein Blick auf einen blondhaarigen Kerl, an der anderen Seite des Parkplatzes lehnend, das Gesicht in meine Richtung gewandt. In der gleichen Sekunde in der ich an die Tür trete, springt er auf, sprintet quer über den Parkplatz und rast die Treppen hinauf geradezu auf unsere Balkontür steuernd. Ich schmeiß die Tür zu, zerr die Gardine davor und werde erstmal ein bisschen hysterisch. Aus irgendeinen irrationalen Grund bilde ich mir ein, die örtliche Polizei würde mich wegen Mangel an französisch Kenntnissen eh nicht verstehen und so verharre ich die nächste Stunde hinter einem Schrank gekauert, Balkon- sowie Haustür im Blick, Handy in der einen, Küchenmesser in der anderen Hand. Das war keine schöne Stunde kann ich euch versichern

Erleichtert, dass Valerie wieder zurückgekehrt, hab ich dann auch gleich den nächsten Schocker zu verdauen: Jason hockt im Knast. Mit einer ausgearteten Schlägerei im Verdacht, lenken wir beide uns mit einem Film ab, bis es, gegen halb 2 in der Nacht, plötzlich an der Türe klopft. Wer ist das? Entschlossen bewaffne ich mich wieder mit Handy und Messer(man weiß ja nie), Valerie lugte vorsichtig durch den Spion. Diesmal bekommen wir amtlichen Besuch: 6 Polizeibeamten inklusive Durchsuchungsbefehl. Von einem wird Val gleich zu einer Befragung weggeführt, ich beobachte währenddessen wie das Apartment auseinandergenommen wird. Die wie beiläufig an mich gerichteten Fragen geben mir immerhin einen groben Überriss der Geschehnisse (die Polizisten verstehen mich übrigens hervorragend) und mit gemischten Gefühlen muss ich mit ansehen wie mein Laptop in seine Einzelteile zerlegt, die Festplatte durchleuchtet, und das Ganze anschließend wieder zusammengesetzt wird. Nach zwei Stunden Durchsuchung bin ich mit einer in Tränen aufgelöste Valerie wieder alleine in der Wohnung - geringfügig schlauer als davor. Für Val hatte die Befragung natürlich deutlich mehr Aufschluss gegeben. Jason sei ein mieser Lügner, meint sie traurig, wusstest du dass er 30 ist und nicht 24 wie immer behauptet? Über was hat er noch gelogen? Und arbeitet er überhaupt wirklich als Dachdecker?

 Die Fragen bleiben zumindest für mich ungeklärt, habe ich Montreal gestern Abend den Rücken gekehrt und statte ich nun in meinen letzten zwei Wochen Toronto und New York einen Besuch ab. Ein gewisses mulmiges Gefühl reist jedoch weiterhin mit. Wem können wir wirklich trauen und ist die Person vor mir, wirklich die Person, die sie zu sein scheint?

1.7.09 19:52

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Uwe (16.7.09 09:29)
Welcome back Kati!

Willkommen zurück in der Heimat. Ich hoffe, du hast viele neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt und siehst die Welt jetzt mit anderen Augen (auch wenn Kanada und die USA nur ein Teil der Welt sind). Lass dich von Mama verwöhnen und "aufpäppeln" und stell mal noch ein paar Fotos für den Rest der Welt ins Netz

Uwe

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