Kati hier, Kati da, Kati ist in Kanada

New York, New York

Ein braunes Klebeband bedeckt die Öffnung des Mülleimers, an dessen Fuße sich bereits ein Berg an Flaschen, Verpackung und anderen Dreck gesammelt hat. Ein Schild warnt vor Ratten, ein anderes bittet darum, die Reste doch bitte irgendwo anders zu entsorgen. Es ist Anfang Juli in Toronto und die Müllabfuhr streikt für eine Lohnerhöhung. So wie jedes Jahr. Öffentliche Parks werden zu Müllablagen umfunktioniert, überall in der Stadt stapelt sich der Unrat und Privatunternehmer verdienen sich eine goldene Nase, indem sie Abfall in den Häuser einsammeln und - gegen nen gehörigen Aufpreis natürlich - in die nächste Stadt transportieren. Der Streik betrifft nicht nur den Entsorgungsbereich, wobei dieser mit Abstand die größten Scherereien macht. Vor Büchereien und anderen öffentlichen Gebäuden wird gegen zu niedrigen Lohn protestiert, die Fähren fahren nicht zu der kleinen, berühmten Touristeninsel und die Eventleute weigern sich dass Feuerwerk zu den Canadadayfeierlichkeiten zu zünden. Enttäuscht mach ich mich also wieder auf den Weg und reise am nächsten Tag weiter, in der Hoffnung, bei meiner Rückkehr nach Toronto eine müllfreie Stadt vorzufinden. Mein Feuerwerk bekomme ich ein paar Tage später dann zum Glück aber doch noch: in New York wird der Independence Day gebührend gefeiert und so säumen sich am Kanal insgesamt acht Feuerwerksstationen, die synchron 20 Minuten lang die gleichen Raketen abschießen und bunte Lichteffekte an den Himmel zaubern. Die lassen sich von unserem Schauplatz auch besonders gut genießen, sind ich und meine New Yorker Hosts doch extra auf eines der Hochhäuser geklettert um das ganze Spektakel zu bestaunen. Auch sonst bietet New York eine Menge. Die Stadt der Städte ist einfach riesig und meine 6 Tage reichen überhaupt nicht aus um alles zu erkunden und zu besichtigen. Zeit zum wundern über die Unfreundlichkeit der Leute bleibt jedoch schon. Mit dem Fahrrad düse ich einmal quer durch Brooklyn und werde gleich nach der zweiten Kreuzung beinahe von einem silbernen Combi zamgefahren. Was für ein Idiot, denke ich mir, der hatte rot! Doch der Fahrer scheint das anders zu sehen. Das Seitenfenster heruntergekurbelt folgt er mir dreist einen geschlagenen Block um mich anzuschreien und zu beschimpfen, bevor er schließlich rechts abbiegt und leine zieht. Von der New Yorker Gelassenheit sehr beeindruckt befällt mich für die nächste halbe Stunde eine Paranoia vor silbernen Kombis, die sich dann aber bei dem schönen Wetter und einem tollen Ausblick am Strand schnell wieder verzieht. In den nächsten Tagen besuche ich dann noch die berühmte Freiheitsstatue und erkunde den riesigen Centralpark, bevor es schließlich auch wieder zurück nach Toronto geht, um die letzten paar Tage Kanada zu genießen. Glück hatte ich übrigens keines. Bei der Einfahrt in die Stadt begrüßen mich aufgetürmte Müllbeutel in den Stadtpärken und immer noch protestierende Beamten, was mich aber wegen baldiger Heimreise schon gar nicht mehr sonderlich stört. Den sehr beeindruckenden Niagarafällen wird noch ein Besuch abgestattet und dann geht’s auch schon in den Flieger zurück nach Deutschland, mit gewachsener Erfahrung, gesteigerten Sprachkenntnissen und mehr als nur einem überquellenden Gepäckstück

19.8.09 02:54

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